Das Ideal des Pazifismus
Gewalt ist fundamentaler Grundpfeiler von Gesellschaften. Eine Gemeinschaft die einen Rahmen für das Zusammenleben definiert, muss diesen glaubhaft durchsetzen können. Nur so gelingt es, ihn gegen Personen zu verteidigen, die einen anderen Rahmen erzwingen möchten.
Gerade in unserer Welt, in der verschiedene Gemeinschaften als Staaten organisiert um Macht und Ressourcen konkurrieren, war und ist die Fähigkeit, sich geeint zu verteidigen, entscheidend. So definierte auch Max Weber 1909 diese Gewaltsamkeit als essenziellen Bestandteil eines Staates.
Dies anzuerkennen bedeutet nun auch, dass kompletter Verzicht auf Gewalt gegen äußere Bedrohungen für eine Gesellschaft nicht erstrebenswert sein kann. Vollumfänglicher Pazifismus bleibt daher ein unerreichbares Ideal.
Dass der Staat Deutschland ohne Verteidigung nicht stabil bestehen kann, folgt daraus. Und das ist auch den allermeisten Menschen im Land bewusst. . Doch wenn das so ist, warum wird dann so vehement gegen die Wehrpflicht und Verteidigungsfähigkeit gestellt? Genau diese Frage beschäftigt schon seit Monaten die Politik und wird mit den immer-gleichen Argumenten über Pflicht und Feigheit in Talkshows und Artikeln diskutiert . Ich möchte in diesem Text einen anderen Blickwinkel auf die Debatte geben.
Die Sache mit der Selbstverantwortung
Seit meiner Jugend war Selbstverantwortung immer ein stark propagiertes Ideal. Es ist zentraler Bestandteil unseres Verständnisses von Freiheit, dass jedes Individuum für sein Leben selbst verantwortlich ist und Konsequenzen seiner Entscheidungen selbst zu tragen hat. Diese Ideologie, die gut mit Margaret Thatchers berühmtem Satz
Wir haben bereits gesehen, dass eine Gesellschaft ohne Verteidigungsfähigkeit nicht existieren kann. Doch genau hier kommen wir in Konflikt mit der Selbstverantwortung. Denn die Verteidigung eines Landes erfordert nicht nur die Bereitschaft, sich persönlich zu wehren, sondern auch die Bereitschaft, für das Gemeinwohl einzustehen und Opfer zu bringen.
Anstatt also moralisch über Verantwortung und Feigheit zu sprechen, wollen wir nun also einen individualistischeren Blick auf Verteidigung werfen.
Beachten wir die Kosten-Nutzen-Überlegung, so sehen wir, dass die Rechnung nur dann aufgeht, wenn eine Person die gesellschaftlichen Werte und Ziele mit den eigenen im Einklang sieht.
Hier beginnt das Problem. 2025 bewerteten 67% der Deutschen in einer Studie zum sozialen Zusammenhalt das Soziale Miteinander als schlecht. . Ein starker Zuwachs gegenüber den Vorjahren. Auch die Zufriedenheit mit der Demokratie sinkt. Dies gilt gerade für jüngere Menschen. . Genau die Gruppe, von denen die Verteidigung des Landes abhängt. Doch ist diese Einstellung gerechtfertigt? Schließlich leben wir in einem der reichsten Länder, profitieren von hoher Lebensqualität und einer ausgesprochen starken Wirtschaft.
Die Enttäuschung junger Menschen
Trotz stark steigender Wirtschaft gab es für die untere Hälfte der Bevölkerung seit Anfang des Jahrtausends de facto keinen Anstieg im Real-Einkommen mehr. . Dies betrifft auch vermehrt junge Menschen, die am Anfang ihrer beruflichen Laufbahn stehen. Hinzu kommt, dass ein sozialer Aufstieg durch Arbeit vermehrt unwahrscheinlich wird. Gerade in Deutschland ist soziale Durchlässigkeit gering, und Vermögen sehr stark ungleich verteilt. In Europa ist es nur in Österreich noch schlechter. .
Politisch führt dies zur Kehrseite des Individualismus. Schnell werden die Verhältnisse ausschließlich mit mangelnder Arbeitsmoral und Faulheit der unteren Gesellschaftsschichten begründet . Die sehr unterschiedlichen Ausgangsbedingungen von Menschen werden dabei schnell ignoriert.
Auch außerhalb der Wirtschaft haben junge Menschen wenig Gründe, zuversichtlich auf die Zukunft des Landes zu blicken. Während der Corona Krise wurde erwartet, sich für das Wohl der gesundheitlich schwächeren Älteren einzuschränken. Diese Belastungen wurden im Nachhinein kaum anerkannt, geschweige denn kompensiert. Gerade in der Bildung, die für junge Menschen eine der wichtigsten Ressourcen darstellt, zeigen sich die Effekte bis heute. Diese Entwicklung hat massiv Vertrauen gekostet.
Hier zeigt sich, was schon länger zu beobachten ist. Die Machtverhältnisse in Deutschland sind (auch durch Demografie) stark zugunsten der älteren Generationen verschoben. Gerade die Babyboomer haben schon lange das wirtschaftliche, aber auch politische Steuer in der Hand. Angela Merkel, Olaf Scholz und jetzt Friedrich Merz sind alle Teil dieser Generation.
Besonders stark zeigt sich diese Dynamik in der Klimapolitik. Es ist die junge Generation, die am meisten von den Folgen des Klimawandels betroffen sein wird, aber es sind die älteren Generationen die nicht bereit sind selbst geringe Opfer zu bringen, um die Folgen zu mildern. Auch hier wird wieder auf Eigenverantwortung verwiesen. Auch für andere Investitionen in die Zukunft wie Infrastruktur sei das Geld zu knapp.
Geht es jedoch um Umverteilungen zu eigenen Gunsten, so darf die Bezuschussung der Rentenversicherung auch gerne mal ein Viertel der staatlichen Gesamt-Ausgaben ausmachen. Der Anspruch wird dabei selbst noch vergrößert, wie die rückwirkende Ausweitung der Mütterrente zeigt. Arbeitslosen- oder Krankenversicherungen werden dagegen immer weiter eingeschränkt und als zu teuer kritisiert.
Wofür sich Kämpfen lohnt
Es zeigt sich also, dass die junge Generation wenig Gründe hat, sich mit dem Land zu identifizieren, für das sie kämpfen soll. Es ist nicht nur so, dass sie von der aktuellen Politik wenig profitieren, sondern es ist auch so, dass die aktuelle Politik gegen viele der Werte verstößt, die junge Menschen wichtig sind. Sind doch genau die Parteien stark, die gegen Errungenschaften wie Gleichberechtigung, Umweltschutz, soziale Gerechtigkeit, und eine offene Gesellschaft kämpfen.
Käme es zu einem Zerfall des Landes, so hätten junge Menschen auch individuell gesehen weniger zu verlieren als ältere und vermögende Menschen. Sie haben weniger Vermögen, weniger Eigentum, sind dafür aber körperlich fitter und oft auch besser ausgebildet. Sie würden also auch nach einem Machtwechsel höchstwahrscheinlich eine (wenn auch nicht unbedingt bessere) Zukunft haben. Vergangene Kriege in Europa haben genau diese Dynamik gezeigt.
Auch das steigende mediale Bewusstsein der Bürger hilft wenig. Wird doch gerade in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder deutlich, dass Kriege häufig als Ablenkung von inneren Problemen genutzt werden und damit umso mehr junge Generation für den Erhalt des Status Quo instrumentalisiert werden.
Die Politik steht nun an einem Scheideweg. Bleibt sie der Ideologie der Selbstverantwortung und Freiheit treu, so bleibt ihr nichts als anzuerkennen, dass junge Menschen nicht mehr bereit sind, den aktuellen Gesellschaftsvertrag einzugehen. Dann müssten sich die älteren Generationen kritisch mit diesem auseinandersetzen, oder selbst in der Verteidigung des Landes aktiv werden. Grundausbildung und Reserve sind schließlich auch mit 50 oder 60 Jahren noch möglich.
Andernfalls bleibt natürlich Zwang. Gerade aufgrund der beschriebenen Kräfteverhältnisse wäre es ein Leichtes, junge Menschen wieder in die Streitkräfte zu verpflichten. In diesem Fall muss die Politik jedoch anerkennen, dass die Werte von Freiheit und Selbstbestimmung wohl nur dann gelten, wenn sie den aktuellen Machtverhältnissen zugutekommen.
Die aktuelle Doppelmoral, die mit
Abschließend
Es kann kein
Solange wir politisch eher in die zweite Richtung gehen, bleibt mir nur zu sagen:
Ich geh' zu eurem Krieg nicht.